Wenn der Antrieb nachlässt, gibt es für geschäftsführende Inhaber mehrere Möglichkeiten

Viele Inhaberinnen und Inhaber kommen mit einem ähnlichen Satz zu mir – meist erst nach einer Weile, fast vorsichtig: „Eigentlich läuft alles. Ich kann nur nicht mehr.“ Das Unternehmen ist gesund, die Zahlen stimmen, von außen wirkt alles in Ordnung. Und trotzdem ist der persönliche Antrieb schwächer geworden.

Ein Gedanke, der in einem solchen Moment auftaucht, lautet oft: verkaufen. So verständlich dieser Impuls ist – er ist nicht automatisch die beste Antwort. Gerade für einen Inhaber, der sein Unternehmen auch operativ führt, liegen zwischen „weitermachen wie bisher“ und „alles abgeben“ mehr Möglichkeiten, als die meisten im ersten Moment sehen.

Das Gefühl, das viele kennen und wenige aussprechen

Es gibt erfolgreiche, gesunde Inhaberinnen, bei denen das Feuer kleiner wird. Keine dramatische Krise – oft nur eine stille Erschöpfung, die man sich lange nicht eingesteht, oder das wachsende Gefühl: Es ist genug. Über dieses Gefühl wird selten offen gesprochen. Und genau deshalb tragen es viele jahrelang mit sich herum, ohne es je zu benennen.

Das hat seinen Grund. Wer ein Unternehmen aufgebaut und über Jahrzehnte getragen hat, hat gelernt durchzuhalten. Durchhalten ist die größte Stärke von erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern. Und genau diese Stärke macht es schwer, den Punkt zu erkennen, an dem etwas anderes klüger wäre. Das eigene Nachlassen auszusprechen fühlt sich dann an wie ein Eingeständnis von Schwäche. Das ist es nicht. Es ist oft ein wichtiger Schritt – und er sagt noch gar nichts darüber aus, was danach kommt.

Hinweis: Wenn Sie diesen Beitrag lesen, weil Sie sich um jemanden sorgen, der Ihnen nahesteht – einen Partner, eine Partnerin, einen Vater, eine Geschäftspartnerin –, sind Sie hier ebenfalls richtig. Oft bemerkt das nahe Umfeld diese Erschöpfung früher als die Inhaber selbst.

Warum „verkaufen“ eine wichtige Überlegung ist, aber nicht die einzige sein sollte

Der Überlegung Verkauf gehört auf den Tisch. Wer jahrelang an der eigenen Grenze fährt, hat ein Recht darauf, auch die größte aller Optionen ernsthaft zu prüfen – ohne schlechtes Gewissen. Die Frage ist nur, ob sie wirklich die passende ist.

Denn wenn die Kraft nachlässt, fühlt sich schnell das ganze Unternehmen wie die Last an, die man loswerden möchte. Häufig ist es aber gar nicht das Eigentum, das erschöpft – sondern die operative Führung: die ständige Erreichbarkeit, jede Entscheidung, jeder kleine Brand, jeder Tag, an dem am Ende doch wieder alles an einer Person hängt.

Anders gesagt: Sie sind über Jahre als Kapitän bei jeder Ausfahrt selbst mit hinausgefahren. Dass das müde macht, heißt nicht zwangsläufig, dass Sie das Schiff verkaufen müssen. Vielleicht müssen Sie nur nicht mehr jede Fahrt selbst steuern.

Es gibt mehr als zwei Möglichkeiten

Zwischen Weitermachen und Verkaufen liegt ein ganzes Spektrum. Vier Möglichkeiten begleite ich regelmäßig – hier geordnet von der kleinsten zur größten Veränderung.

1. Die Führungsstruktur verändern, damit Sie sich erholen können

Manchmal ist die Erschöpfung nicht grundsätzlich, sondern strukturell: Zu viel hängt an einer Person. Wird die Führung verbreitert, Verantwortung bewusst verteilt und der Alltag spürbar entlastet, kommt oft Kraft zurück – und mit ihr die Freude an einer Aufgabe, die man eigentlich gar nicht aufgeben wollte. In diesem Fall ist nicht der Ausstieg die Lösung, sondern ein anderer Zuschnitt der eigenen Führungs-Rolle.

Wenn Sie mehr dazu lesen möchten: In meinen Beiträgen zu chronischem Stress als Führungskraft und Stressmanagement für Führungskräfte gehe ich genauer darauf ein, wo Führungsbelastung wirklich entsteht – und auf welchen Ebenen sie sich verändern lässt.

2. Vom Kapitän zum Eigentümer an Land

Ein zweiter Weg geht weiter: Sie bestellen eine – oft mehrköpfige – Geschäftsführung für die operative Führung und steuern das Unternehmen aus der strategischen Eigentümerposition. Ich beschreibe das gern mit dem Bild von vorhin: Sie fahren nicht mehr als Kapitän bei jeder Ausfahrt mit hinaus, sondern bleiben an Land und kümmern sich um die Hafenanlagen – um Kurs, Rahmen und die großen Entscheidungen.

Das entlastet nicht nur Sie. Ein Unternehmen, das nicht mehr von einer einzelnen Person abhängt, ist stabiler. Es ist später leichter zu verkaufen – und es gibt der nächsten Generation Zeit, hineinzuwachsen, falls eine familieninterne Lösung ein Thema werden soll.

Wenn Sie mehr dazu lesen möchten: Wie sich Burnout bei Inhabern von dem anderer Berufsgruppen unterscheidet – und warum der Umbau der Führung dabei eine zentrale Rolle spielt –, beschreibe ich in Wenn Führungskräfte an ihre Grenzen kommen.

3. Innerhalb der Familie übergeben

Manchmal ist der naheliegendste Weg auch der richtige: die Übergabe an die nächste Generation. Das ist selten eine Frage von einem Tag auf den anderen, und es will gut vorbereitet sein – fachlich wie menschlich. Wo Sie sich Schritt für Schritt aus der operativen Führung zurückziehen (siehe Weg 2), gewinnen Sie und Ihre Nachfolger genau die Zeit, die eine geordnete Übergabe braucht.

Wenn Sie mehr dazu lesen möchten: Was es für eine gelingende familieninterne Nachfolge braucht – und was zu bedenken ist, wenn kein Kind übernehmen möchte –, beschreibe ich an anderer Stelle ausführlich.

4. Den Verkauf als bewusstes Ziel

Und manchmal ist der Verkauf genau der richtige Weg – nicht als Notausgang, sondern als klare Entscheidung. Etwa, wenn die Belastung wirklich ganz enden soll. Oder wenn selbst eine aktive Eigentümerrolle zu viel erscheint, keine familieninterne Nachfolge möglich ist und ein sauberer Abschluss das ist, was Sie sich wünschen. Auch das ist legitim. Kein Scheitern, sondern eine Entscheidung aus Stärke.

Wenn alles bedacht und ehrlich durchgegangen ist und der Verkauf sich als der beste Weg herausstellt, stehen wir von Waldl & Partner – Family & Business Consulting GmbH Ihnen gerne zur Seite – als Begleiter, der den ganzen Menschen hinter dem Inhaber im Blick behält, nicht nur die Transaktion.

Was diese Wege verbindet

So unterschiedlich diese Wege sind – im Kern haben sie dasselbe: Verantwortung neu zu verteilen und Last abzugeben. „Abgeben“ muss nicht heißen, alles zu verkaufen. Es kann heißen, einen Teil der Führung loszulassen, um das zu behalten, was einem wichtig ist – oder um in Ruhe den richtigen Schritt für später zu finden.

Welcher Weg zu Ihnen passt, lässt sich nicht an einer einzelnen Zahl ablesen. Ich schaue dabei auf mehrere Ebenen zugleich – auf die Person, die privaten Beziehungen, die berufliche Zusammenarbeit, auf Führung, Markt und Umfeld. Wie dieser Blick im Detail aussieht, beschreibe ich in einem eigenen Beitrag.

Welcher Weg der richtige ist, lässt sich selten am ersten Tag sagen. Es lohnt sich, das in Ruhe zu klären, statt aus Erschöpfung die nächstbeste Tür zu nehmen.

Was ein klärendes Gespräch leisten kann – und was es nicht ist

Ich bin Unternehmensberater und Business Coach und bringe die Erfahrung aus über 25 Jahren mit Menschen in Umbruchsituationen mit. Weil ich den Menschen hinter dem Inhaber sehe, kann ich diese Frage ehrlicher und ergebnisoffener mit Ihnen ansehen als ein reiner Transaktionsberater. Mein Ziel ist nicht, Sie zu einem Verkauf zu bewegen, sondern mit Ihnen herauszufinden, welcher dieser Wege zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt.

Wichtig ist mir dabei eine klare Abgrenzung: Das Gespräch, das ich anbiete, ist unternehmerische Beratung und Begleitung – ausdrücklich keine Psychotherapie.

Der erste Schritt

Wenn Sie dieses leise Gefühl kennen, lohnt es sich, ihm einmal Raum zu geben – in einem vertraulichen Gespräch. Ohne Druck, ohne dass daraus etwas folgen muss. Manchmal entsteht daraus ein klarer Weg. Manchmal nur die Erkenntnis: noch nicht. Auch das ist wertvoll.

→ Vereinbaren Sie ein unverbindliches 20-minütiges Online-Erstgespräch:

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