Es gibt Projekte, die nicht am Reißbrett entstehen. Sie wachsen aus Erfahrung, aus Kooperationen und aus dem Eindruck, dass ein Feld reif geworden ist für den nächsten professionellen Schritt. Der Lehrgang für Psychotherapeut:innen Vom Individuum zur Organisation ist für mich genau so ein Projekt.
Früher waren Psychotherapie und Business Coaching zwei scharf getrennte Welten
Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeut und Business Coach. Über viele Jahre hinweg waren das für viele Menschen zwei klar getrennte Welten: auf der einen Seite Psychotherapie, auf der anderen Seite Coaching, Führungskräfteentwicklung und Beratung in Organisationen. Diese Trennung war lange sehr deutlich spürbar. Wenn ich früher als Coach für Führungskräfte beauftragt wurde, gab es auf Seiten von HR-Verantwortlichen oft eine unausgesprochene oder auch sehr direkte Sorge: Hoffentlich macht er mit unseren Führungskräften keine Psychotherapie.
Diese Skepsis war nachvollziehbar. Unternehmen wollen Coaching. Sie wollen keine Therapie im Unternehmen. Sie wollen Unterstützung bei Führung, Zusammenarbeit, Rolle, Entscheidung, Konflikten und Entwicklung. Und sie wollen Klarheit darüber, dass die Grenzen sauber eingehalten werden.
Ich erinnere mich gut an die Anfangsjahre meiner Arbeit im Coaching. Damals war es in vielen Unternehmen wichtig, Psychotherapie und Coaching möglichst scharf voneinander abzugrenzen. Das hatte auch mit einem bestimmten Verständnis von Wirtschaft zu tun. Leistung, Ergebnis, Führung und Markt galten als eine Welt. Psychisches Erleben, Beziehung, biografische Muster und innere Konflikte galten als eine andere. Wer in Organisationen arbeitete, sollte möglichst „sachlich“ bleiben. Alles, was nach Innerlichkeit, Verletzlichkeit oder tieferem Verstehen von Personen klang, wurde rasch mit Therapie verwechselt.
Aus heutiger Sicht war diese Trennung zu grob. Denn natürlich arbeiten Führungskräfte nicht nur mit Zahlen, Strategien und Prozessen. Sie arbeiten mit Menschen. Sie führen in Spannungsfeldern. Sie treffen Entscheidungen unter Druck. Sie müssen Konflikte halten, Ambivalenzen aushalten, Vertrauen fördern, Orientierung geben und zugleich mit eigenen Belastungen professionell umgehen. Genau dort zeigt sich, dass professionelle Beziehungs- und Prozesskompetenz keine Nebensache ist, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor.
Früher bekam ich also Aufträge für Führungskräfte Coaching obwohl ich Psychotherapeut war. Heute erlebe ich das Gegenteil.
Was sich im Business Coaching in den letzten Jahren verändert hat
Spätestens seit der Coronakrise hat sich die Nachfrage deutlich verändert. Ich bekomme Anfragen als Führungskräfte Coach und als Business Coach gerade auch deshalb, weil ich Psychotherapeut bin. Nicht, weil Unternehmen plötzlich Psychotherapie einkaufen würden. Sondern weil Verantwortliche in Unternehmen heute genauer verstehen, wie wertvoll ein hohes Ausbildungsniveau in komplexen Beratungsprozessen ist.
Die Arbeitswelt stellt heute höhere Anforderungen an Coaches und Berater:
- Führung ist komplexer und anspruchsvoller geworden
- Belastungen in Organisationen haben deutlich zugenommen – im Profit- wie im Non-Profit-Bereich
- Themen wie Unsicherheit, Rollenkonflikte, Verdichtung und mentale Erschöpfung sind in vielen Unternehmen Alltag
- Führungskräfte sollen nicht nur fachlich kompetent, sondern auch kommunikationsstark, konfliktfähig, reflexiv und empathisch sein
Damit ist auch die Nachfrage nach Coaching anspruchsvoller geworden. Gesucht sind nicht nur Personen, die „ein paar Coaching-Tools“ anwenden können. Gesucht sind Coaches, die Menschen und Systeme zugleich verstehen können. Coaches, die auf hohem Niveau arbeiten. Coaches, die Verantwortung tragen, können im Spannungsfeld von Person, Rolle, Team und Organisation.
Warum psychotherapeutisches Know-how heute in Unternehmen gefragt ist
Psychotherapeut:innen bringen für diese Arbeit sehr viel mit. Wer eine Ausbildung für Psychotherapeut:innen absolviert hat, hat gelernt, genau hinzuhören, Dynamiken zu erfassen, Beziehung professionell zu gestalten und Entwicklung nicht nur oberflächlich, sondern in ihrer Tiefe zu verstehen.
| Merkmal | Psychotherapeutische Ausbildung | Typische Coaching Ausbildung |
| Ausbildungsstunden (Österreich) | ~2.500 Stunden | oft 100–300 Stunden |
| Tiefe im Beziehungsverständnis | sehr hoch | variabel |
| Umgang mit Konflikten & Ambivalenz | professionell geschult | oft nur grundlegend |
| Systemisches & biografisches Denken | integraler Bestandteil | je nach Konzept |
Das ist ein enormes Potenzial und erklärt, warum Fortbildung für Psychotherapeut:innen auf diesem Niveau für anspruchsvolle Coaching- und Beratungsprozesse besonders interessant ist.
Ich sehe das in meiner eigenen Praxis seit Jahren. Auftraggeber:innen in Unternehmen wissen sehr wohl zu schätzen, wenn ein Coach nicht nur methodisch sauber arbeitet, sondern auch Beziehung, Belastung, Konfliktdynamik und Veränderungsprozesse professionell einschätzen kann.
Und trotzdem gilt: Psychotherapeutische Kompetenz ist für die Arbeit in Organisationen zwar oft hilfreich, aber nicht automatisch hinreichend.
Warum eine gute Psychotherapieausbildung noch keine Ausbildung für Organisationen ist
Genau hier liegt der Kern meiner Motivation für diesen Lehrgang für Psychotherapeut:innen.
Psychotherapie, Coaching und Organisationsberatung sind nicht dasselbe. Wer mit Einzelpersonen, Paaren oder Familien arbeitet, bewegt sich meist in einem anderen Setting als jemand, der im Auftrag einer Organisation mit Führungskräften, Teams oder Unternehmerfamilien arbeitet.
Im Führungskräfte-Coaching ist von Beginn an mehr im Raum als nur die Person:
- die Organisation mit ihren Zielen, Strukturen und Erwartungen
- Rollenspannungen und institutionelle Kontexte
- Marktlogiken und Teamdynamiken
- ein oft triadisches Setting, das saubere Auftragsklärung erfordert
Mit ausschließlich psychologischem oder psychotherapeutischem Blick an Organisationsfragen heranzugehen, wäre zu wenig. Dann besteht die Gefahr, organisationale Themen zu personalisieren: Man würde vielleicht individuelle Belastung sehen, aber strukturelle Spannungen übersehen. Man würde vielleicht Konflikte zwischen Personen bearbeiten, aber nicht erkennen, dass auch Rollenunklarheit, Führungsdesign, Prozessmängel oder kulturelle Widersprüche eine Rolle spielen.
Genau deshalb braucht es eine professionelle Übersetzung psychotherapeutischer Kompetenz in die Welt von Führung, Teams und Organisationen.
Warum ich diesen Lehrgang gestartet habe
Die Initiative zu diesem Lehrgang ist von mir ausgegangen, weil ich seit Jahren sehe, wie groß diese Lücke ist.
Ich kenne viele hervorragend ausgebildete Psychotherapeut:innen, die ein feines Gespür für Menschen, Beziehungen und Entwicklungsprozesse mitbringen. Ich kenne zugleich den Bedarf von Unternehmen, Führungskräften und Unternehmerfamilien an exzellent qualifizierter Begleitung. Und ich sehe, dass beides noch viel zu selten professionell zusammengeführt wird.
Der Markt braucht keine beliebigen Coaches. Der Markt braucht sehr gut ausgebildete Coaches. Alles andere ist weder für Kund:innen noch für die Entwicklung des Feldes gut. Wer in Organisationen arbeitet, trägt Verantwortung. Schlechte, unsaubere oder vorschnelle Interventionen können in Unternehmen erheblichen Schaden anrichten. Gute Coaching- und Beratungsarbeit dagegen kann Entwicklung ermöglichen, Konflikte klären, Führung stärken und Zusammenarbeit nachhaltig verbessern.
Mit diesem Lehrgang für Psychotherapeut:innen wollte ich deshalb kein weiteres allgemeines Angebot für Weiterbildung für Psychotherapeut:innen schaffen. Ich wollte ein Format entwickeln, das auf dem hohen Ausbildungsniveau von Psychotherapeut:innen aufsetzt und dieses gezielt erweitert: in Richtung Business Coaching, Führungskräfte-Coaching, Supervision und Teamcoaching sowie Beratung für Familienunternehmen.
Warum ich mich über dieses Lehrgangsteam besonders freue
Ein weiterer Grund, warum mir dieser Lehrgang ein besonderes Anliegen ist, liegt in den Menschen, die ich dafür gewinnen konnte diesen Lehrgang gemeinsam mit mir zu entwickeln.
Andreas Amann: Führungsentwicklung mit Weitblick

Unternehmensentwicklung und Führungsentwicklung als professioneller Brückenschlag zwischen Person und Organisation.
Ich freue mich sehr, Andreas Amann für den ersten Fokus im Lehrgang gewonnen zu haben. Mit ihm und mit Andreas Gschosmann bin ich seit über zehn Jahren in einer kontinuierlichen Intervisionsgruppe verbunden. Diese Zusammenarbeit ist für mich fachlich und persönlich sehr wertvoll. Wir haben gemeinsam in größeren und kleineren Projekten im Bereich Führungsentwicklung gearbeitet und viele unterschiedliche organisationale Kontexte reflektiert.
Andreas Amann bringt eine große Erfahrung in Unternehmensentwicklung, Gruppendynamik, Teamentwicklung und Führungsentwicklung mit. Er kann große Zusammenhänge sehen, strategisch denken und zugleich in konkreten Führungsfragen sehr präzise arbeiten. Dass er den ersten Fokus mitträgt, freut mich besonders, weil dieser Bereich für viele Psychotherapeut:innen der erste Schritt in die Welt organisationeller Beratung ist.
Adalbert „Bert“ Gschosmann: Teams verstehen, Teamprozesse professionell begleiten

Teamsupervision und Teamcoaching auf hohem Niveau: Klarheit in Auftrag, Rolle und Prozess.
Adalbert Gschosmann, den viele auch Bert nennen, ist für mich einer der profiliertesten Teamsupervisoren und Teamcoaches, die ich kenne. Er verbindet psychotherapeutische Tiefe mit supervisorischer Klarheit und einem sehr sauberen Verständnis von Auftragsklärung, Rollen und Dreieckskontrakt.
Gerade in der Arbeit mit Teams ist das unverzichtbar. Teamprozesse lassen sich nicht professionell begleiten, wenn man nur auf einzelne Personen blickt. Man muss Interaktionsmuster erkennen, organisationale Rahmungen mitdenken und gleichzeitig arbeitsfähig bleiben. Bert bringt genau diese Qualität in den Lehrgang ein.
Karolina Vajda: Wenn Familie, Eigentum und Unternehmen zusammenkommen

Wenn Familie, Eigentum und Unternehmen zusammenkommen: präzise juristische Begleitung für Unternehmerfamilien.
Mit Karolina Vajda arbeite ich in einem anderen, ebenso hochkomplexen Feld zusammen: mit und für Unternehmerfamilien. Gemeinsam entwickeln wir Familienverfassungen und begleiten Nachfolge- und Klärungsprozesse, in denen emotionale, relationale und juristische Themen eng miteinander verwoben sind.
Ich schätze an Karolina ihre fachliche Präzision, ihre Spezialisierung auf Familienunternehmen und ihre Fähigkeit, auch in sensiblen Themenfeldern sehr klar zu arbeiten. In Workshops mit jüngeren und älteren Familienmitgliedern erlebe ich immer wieder, wie entlastend es für Familien ist, wenn psychologische, kommunikative und rechtliche Perspektiven nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.
Gerade dieses Zusammenspiel ist für mich ein gutes Beispiel dafür, worum es im Lehrgang insgesamt geht: Brücken bauen. Zwischen Person und Organisation. Zwischen Beziehung und Struktur. Zwischen innerer Dynamik und äußerer Realität. Zwischen psychotherapeutischer Kompetenz und professioneller Organisationsarbeit.
Wie der Lehrgang eine Lücke schließt
Der Lehrgang ist so aufgebaut, dass Psychotherapeut:innen nicht einfach „umetikettiert“ werden, sondern schrittweise in neue professionelle Kontexte hineinwachsen.
Er umfasst drei Fokusbereiche:
- Coaching von Personen im Auftrag von Organisationen
- Supervision und Coaching von Teams
- Beratung für Familienunternehmen
Dazu kommen im Lehrgang Supervision (in Kleingruppen), Online-Module, strukturiertes Selbststudium und eine abschließende Fallreflexion. Insgesamt umfasst der Lehrgang 260 Stunden. Das ist bewusst so konzipiert: nicht als oberflächliche Zusatzausbildung, sondern als Aufschulung auf hohem Niveau. Zum Lehrgang gehören auch begleitende Fachliteratur, Online-Talks mit den Trainer:innen sowie Multiple-Choice-Tests zur Vorbereitung auf die Präsenzseminare.
Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer:innen nicht nur Inhalte hören, sondern aktiv eine professionelle Denk- und Arbeitsweise entwickeln, die in Organisationen tragfähig ist. Der Lehrgang baut systematisch auf der psychotherapeutischen Grundausbildung auf und erweitert sie gezielt um organisationale, wirtschaftliche und systemische Perspektiven. Er schließt mit einem Zertifikat für Business-Coaching und Beratung für Familienunternehmen ab. Optional besteht die Möglichkeit zu einer internationalen Zertifizierung bei der ICF – International Coaching Federation.
Für wen dieser Lehrgang gedacht ist
Der Lehrgang richtet sich an Psychotherapeut:innen, die ihre Kompetenz fundiert erweitern möchten. An Kolleg:innen, die sich für die Arbeit mit Führungskräften, Teams, Organisationen und Familienunternehmen interessieren. An jene, die vielleicht schon erste Erfahrungen in diesen Feldern gesammelt haben und diese nun professionell vertiefen wollen. Und an alle, die spüren, dass ihre psychotherapeutische Kompetenz auch außerhalb klassischer Therapiesettings einen wertvollen Beitrag leisten kann.
Nicht als „Psychotherapie-light“.
Nicht als Modetrend.
Sondern als professionelle Erweiterung in ein Feld, in dem qualitätsvolle Arbeit dringend gebraucht wird.
Mein persönliches Fazit
Ich habe diesen Lehrgang gestartet, weil ich überzeugt bin, dass Psychotherapeut:innen ein enormes Potenzial für die Arbeit in Organisationen mitbringen. Und weil ich ebenso überzeugt bin, dass dieses Potenzial eine präzise, professionelle und verantwortungsvolle Erweiterung braucht.
Genau dafür steht „Vom Individuum zur Organisation“.
Es geht nicht darum, Psychotherapie und Coaching zu vermischen. Es geht darum, psychotherapeutische Kompetenz auf hohem Niveau in neue professionelle Kontexte zu übersetzen. Es geht um Führungskräfte-Coaching, Teamcoaching, Supervision und Beratung für Familienunternehmen. Und es geht darum, eine Form von Beratung zu entwickeln, die Menschen ernst nimmt, Systeme versteht und Organisationen nicht nur funktional, sondern auch menschlich klüger macht.
Sie möchten Ihre psychotherapeutische Kompetenz auf die Arbeit mit Führungskräften, Teams und Familienunternehmen ausweiten? Dann lernen Sie den Lehrgang „Vom Individuum zur Organisation“ bei einem Infoabend kennen.

